Eine Pressemitteilung des Kultusministeriums vom 22.1.2015 habe ich beim Aufräumen gefunden:

Eine mündliche Anfrage der CDU-Abgeordneten Frank Oesterhelweg, Hans-Heinrich Ehlen und Kai Seefried (CDU) im Landtag

  1. Wie beurteilt die Landesregierung den Fleischatlas 2014 aus fachlicher und wissenschaftlicher Sicht?
  2. Wie beurteilt die Landesregierung die Verwendung des Fleischatlas 2014 im Schulunterricht?
  3. Wie steht die Landesregierung zu dem Lernziel des BMUB „Die Schüler/-innen lernen eine konsumkritische Haltung zum Fleischkonsum kennen.“?

Der Bildungsservice-Newsletter des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) weist in seiner Ausgabe vom 31. Januar 2014 unter der Überschrift „Umwelt im Unterricht“ auf den pünktlich zur Grünen Woche erschienenen Fleischatlas 2014 hin. Er enthielte Zahlen und Daten zum Thema und biete eine Orientierungshilfe für einen verantwortlichen Konsum. Der Fleischatlas wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique veröffentlicht. Von einem Bürger wird der Fleischatlas in einer E-Mail wie folgt beurteilt: „Die Fleischatlanten sind eine Artikelsammlung von 34 Autoren, das ist kein Werk aus einem Guss. Die Beiträge streuen von journalistisch-professionell bis ideologisch-verleumderisch. Es ist deshalb unmöglich, ein Urteil über alle Beiträge zu sprechen, da würden sich die Ideologen hinter guten Rechercheuren verstecken. Hinter den Artikeln professioneller Journalisten, deren Tendenz man kritisieren kann, aber die gut recherchiert sind und denen nur eine andere Sicht auf die Dinge gegenübergestellt werden kann, verstecken sich ideologische Erfindungswerke der NGO Lobby.“

Auf seiner Internetseite http://www.umwelt-im-unterricht.de/unterrichtsvorschlaege/trends-und-verantwortung-beim-fleischkonsum/ macht das BMUB Vorschläge für die Vermittlung des Themas „Trends und Verantwortung beim Fleischkonsum“ in der Sekundarstufe. Unter http://www.umwelt-im-unterricht.de/unterrichtsvorschlaege/fleisch-klima-umwelt/ steht zudem eine Hilfestellung für die Vermittlung des Bereichs „Fleisch, Klima, Umwelt“ in der Grundschule zur Verfügung. Für beide Schulformen wird als Lernziel u. a. formuliert: „Die Schüler/-innen lernen eine konsumkritische Haltung zum Fleischkonsum kennen.“ Zudem verweisen beide Internetseiten als zusätzlichen Hintergrund auf den Fleischatlas 2014.

Die Antwort der Kultusministerin Frauke Heiligenstadt:

Der „Fleischatlas 2014 - Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel“ ist ein Kooperationsprojekt der Heinrich-Böll-Stiftung, des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) und der französischen Zeitung LE MONDE diplomatique. Er wurde vor einem Jahr im Bildungsservice-Newsletter des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in seiner Ausgabe vom 31. Januar 2014 unter der Überschrift „Umwelt im Unterricht“ aufgeführt.

Dies vorausgeschickt, beantworte ich namens der Landesregierung die Fragen im Einzelnen wie folgt:

Zu 1:
Der „Fleischatlas 2014“ will über die vielfältigen Dimensionen der Fleischproduktion und den Konsum von Fleisch informieren. Ziel der Publikation ist, Zusammenhänge erkennen zu lassen und so zu mehr Engagement und als Folge zu Veränderungen zu führen. Sie darf nicht als wissenschaftliche Publikation verstanden werden.

Insgesamt handelt es sich bei dem „Fleischatlas 2014" um eine anschauliche Sammlung von Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel. Die Veröffentlichung arbeitet die zugrundeliegenden Zusammenhänge kritisch auf. Als Beispiele:

Der Beitrag „Unersättlicher Weltmarkt“ spricht das globale Problem des steigenden Fleischkonsums und der Ernährungssicherung in Entwicklungsländern an. Der Text macht aufmerksam auf die Auswirkungen der Exporte von preiswertem „Hühnerklein“ aus Industrieländern nach Südafrika oder anderen Entwicklungsgebieten wie Westafrika, durch die einheimische Züchter vom einheimischen Markt gedrängt werden.

Der Text unter der Überschrift „Freihändler wittern Morgenluft“ (S. 14 bis 15) zum Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) stellt Befürchtungen in Bezug auf einen liberalisierten Fleischhandel dar. Auch der niedersächsische Landtag und der Bundesrat hat sich etwa gegen sogenannte Investorschutzklauseln und für den Erhalt und die Weiterentwicklung von Sozial-, Umwelt- und Verbraucherstands ausgesprochen. Ebenso hat der Landtag mehrfach die Unterschiede zwischen den USA und der EU etwa in Bezug auf das Chloren von Hühnern diskutiert. Zu den Investor-Staat-Schiedsgerichten hat es inzwischen eine Konsultation gegeben, die zeigt, dass die überwältigende Mehrheit der Bürger und Organisationen, die sich beteiligt haben, gegen dieses Instrument ist. Auch diese Kritik spricht der Fleischatlas an.

Zu 2:
Der Unterricht in den niedersächsischen Schulen wird nach § 122 Niedersächsisches Schulgesetz (NSchG) auf der Grundlage von Lehrplänen erteilt. Die Schulen bzw. die Lehrkräfte sind nach § 32 NSchG bei der Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts eigenverantwortlich. Demzufolge entscheiden sie auch über die Verwendung des o. a. Fleischatlasses im Unterricht und über den Umgang mit ihm, denn der Fleischatlas ist kein durch die Lehrpläne verbindlich geforderter Inhalt des Unterrichts. Insofern wird für die auf dem Markt befindlichen Materialien keine Bewertung vorgenommen.

Zu 3:
Bereits der Bildungsauftrag der Schule in § 2 NSchG bestimmt, dass Schülerinnen und Schüler befähigt werden, ökonomische und ökologische Zusammenhänge zu erfassen und umwelt- und gesundheitsbewusst als selbstständige Individuen zu leben. Dabei ist das Erlernen des kritischen Umgangs mit zivilgesellschaftlichen Fragen ein wichtiger Bildungsbereich. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, aktiv an der Analyse und Bewertung von nicht nachhaltigen Entwicklungsprozessen teilzuhaben, sich an Kriterien der Nachhaltigkeit im eigenen Leben zu orientieren und nachhaltige Entwicklungsprozesse gemeinsam mit anderen lokal und global in Gang zu setzen. Im Kern geht es BNE darum, Menschen zum Erwerb von Kompetenzen zu befähigen, aufgrund derer sie in der Lage sind, zukunftsgerechte Entscheidungen zu treffen und Handlungen auszuführen.

In diesem Zusammenhang ist die Frage des Konsums respektive des Konsumverzichts in hohem Maße gesellschaftlich relevant. Ein gewünschter nachhaltiger Umgang mit Konsumgütern ist daher auf ein kritisches Konsumverhalten der Verbraucher angewiesen. Das Verbraucherverhalten muss jedoch erlernt werden und ist deshalb in den Kerncurricula der Schulen beinhaltet.
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Anmerkung:
Bleibt zu fragen, warum die Fragen gestellt worden sind.
Herr Frank Oesterhelweg ist Landwirt, Hans-Heinrich Ehlen ist Landwirt und ehemaliger Landwirtschaftsminister. Kai Seefried ist Tischlermeister und Betriebswirt

Im Zeitungsartikel des Weser Kuriers vom 9.2.2015 ist Folgendes zu lesen: http://www.weser-kurier.de/region_artikel,-Fleischatlas-liegt-CDU-schwer-im-Magen-_arid,1051206.html

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